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Ein Großteil der Nahrungsmittelunverträglichkeiten wird durch spezielle Eiweißverbindungen in unseren Lebensmitteln hervorgerufen. Diese Eiweiße, auch biogene Amine genannt, entstehen durch Reifung und Verdauung eiweißhaltiger Speisen wie Fisch, Käse und Wurst. Besonders häufig löst das biogene Amin Histamin Beschwerden wie Durchfälle, Blähungen, Bauchschmerzen aber auch Juckreiz, Hautausschläge und Kopfschmerzen aus.
Keine echte Allergie
Histamin wird in unserem Körper selbst gebildet und hat eine Reihe von wichtigen Funktionen für den menschlichen Stoffwechsel. Es regelt die Magensäureproduktion, steuert den Schlaf-Wach-Rhythmus und den Appetit, ist als Neurotransmitter für Lernprozesse und Gedächtnis wichtig und spielt eine zentrale Rolle beim Auftreten allergischer Reaktionen. Kommen wir mit allergieauslösenden Stoffen wie Gräser, Blüten, Hausstaub oder Tierhaare in Kontakt, dann kommt es durch eine verstärkte Histaminausschüttung zu den typischen allergischen Symptomen wie Anschwellen von Schleimhäuten, rinnende Nase oder Atembeschwerden.
Im Gegensatz dazu ist die Histaminintoleranz eine individuelle Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln mit einem hohen Histamingehalt. Auch hier sind allergieähnliche Reaktionen wie verlegte oder rinnende Nase, Kopfschmerzen, Atemschwierigkeiten bis hin zu asthmaähnlichen Symptomen oder Herzrasen zu beobachten. Allerdings können im Blut niemals allergische Vorgänge nachgewiesen werden, wie das bei einer echten Allergie immer der Fall ist.
Eine Histaminintoleranz führt häufig auch zu Magen- und Darmproblemen wie Blähungen, weichem Stuhl, Durchfall, Bauchschmerzen und Bauchkrämpfen. Dazu kommen Hautausschläge und Juckreiz, geschwollene Augenlider und Schwindel. Bei empfindlichen Personen können sogar Gelenksbeschwerden und geschwollene Gelenke hervorgerufen werden.
Ein bis drei Prozent aller Österreicher leiden an einer Histaminintoleranz. Frauen sind wesentlich häufiger als Männer davon betroffen. Bei körperlicher Anstrengung und bei psychischem Streß schüttet unser Körper mehr Histamin aus und macht uns gegen histaminreiche Kost noch empfindlicher. Auch hormonelle Schwankungen im Rahmen des Menstruationszyklus führen phasenweise zu einer erhöhten Histaminempfindlichkeit. Zu beobachten ist auch, dass wir während einer Infektion oder Erkältung auf Histamin generell sensibler reagieren.
Histamin in der Nahrung
Histamin wird zwar zu einem geringen Teil in unserem Körper selbst gebildet, vor allem aber mit bestimmten Lebensmitteln in der Nahrung unserem Organismus zugeführt.
Essen wir Speisen mit einem hohen Histamingehalt, dann kommt es zu den typischen Beschwerden.
Zu den histaminhältigen Lebensmitteln zählen:
Meeresfische wie Thunfisch, Sardine, Sardelle, Hering, Makrele und Lachs
Alkoholische Getränke wie Rotwein und Champagner
Schnitt- und Hartkäse wie Parmesan und Emmentaler
Gereifte Wurstsorten wie Salami, Kantwurst und Rohschinken
Geräuchertes Fleisch
Schokolade, Kakao, Nougat und Nüsse
Gemüsesorten wie Sauerkraut, Spinat und Tomaten
Obstsorten wie Zitrusfrüchte, Kiwi und Erdbeeren
Schwarzer Tee
Der Histamingehalt in den einzelnen Lebensmitteln steigt mit der Reife- und Lagerungsdauer. Verdorbene Lebensmittel, vor allem verdorbener Fisch, weisen enorme Histaminmengen auf. Grundsätzlich kann der Histamingehalt bei den einzelnen Nahrungsmitteln stark schwanken, was bedeutet, dass wir das gleiche Lebensmittel einmal gut und einmal weniger gut vertragen.
Ist die individuelle Toleranzgrenze überschritten, dann werden wir krank. Die typischen Beschwerden können schon nach wenigen Minuten oder erst Stunden nach der histaminreichen Mahlzeit auftreten.
Von ärztlicher Seite ist darauf zu achten, dass viele Medikamente die Histaminwirkung im Körper verstärken.
Austesten und Behandeln
Treten immer wieder unklare allergieähnliche Symptome auf, sollte Ihr Arzt an die Möglichkeit einer Histaminintoleranz denken. Sie ist eine der häufigsten Formen einer Nahrungsmittelintoleranz. Eine genaue Befragung des Patienten über seine Beschwerden im Zusammenhang mit seiner Ernährung gibt meist schon die entscheidenden Hinweise.
Die endgültige Diagnose geschieht durch die Bestimmung jenes Enzyms im Blut, welches Histamin in unserem Körper abbaut. Dabei handelt es sich um das Enzym Diaminoxidase.
Echte allergische Reaktionen können dagegen nie nachgewiesen werden.
Zu beachten ist auch, dass es außer Histamin noch viele andere biogene Amine in den Nahrungsmitteln gibt, die die Wirkung von Histamin verstärken.
Ist eine Histaminintoleranz nachgewiesen, sollte man den Genuß von histaminhältigen Lebensmitteln so gut es geht einschränken. Vor allem die Kombination histaminreicher Speisen wie ein Thunfischsteak mit einem Glas Rotwein und als Nachspeise noch einen Käseteller mit Emmentaler und Nüssen sollten Sie unbedingt meiden. Histaminreiche Lebensmittel müssen immer auch kühl gelagert und sachgerecht aufgetaut werden.
Eine histaminarme Kost führt meist innerhalb weniger Tage bis Wochen zu einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden.
Die Einnahme von Antihistaminika, das sind allergiehemmende Substanzen, kann die Symptome oft lindern. Die Einnahme von Medikamenten sollten Sie jedoch unbedingt mit Ihrem Arzt besprechen.
Zusätzlich kann man Diaminoxidase, also jenes Enzym, welches Histamin in unserem Körper abbaut, mit speziellen diätetischen Lebensmitteln zuführen. Das führt zu einer wesentlichen besseren Verträglichkeit von histaminreichen Speisen.
Trotz aller medikamentösen Neuheiten muß man den Verzehr von histaminreichen Speisen einschränken.
Dr. Thomas Schwingenschlögl Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie
Reisenbauerring 5/1/5, A-2351 Wiener Neudorf,
Tel. 02236/865910
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