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Inhaltsverzeichnis DGH 09/13
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Neue Therapien bei Kniearthrose
Dr. Thomas Schwingenschlögl, FACHARZT FÜR INNERE MEDIZIN UND RHEUMATOLOGIE ERNÄHRUNGSMEDIZINER

Die Kniearthrose ist die mit Abstand häufigste Gelenksabnützung und ist für die Betroffenen mit oft starken Schmerzen, einer Einschränkung der Beweglichkeit und einer herabgesetzten Lebensqualität verbunden.

Eine Kombination von medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapien kann in den meisten Fällen diese Erkrankung erfolgreich aufhalten. Wie so oft in der Medizin gilt auch bei Arthrosen: je früher behandelt wird, desto besser der Therapieerfolg. Wer also 3-4 Wochen an Knieschmerzen leidet, sollte unverzüglich einen Spezialisten aufsuchen.


Volksleiden Arthrose
Häufigste Ursache der Kniearthrose ist eine jahrelange Überbeanspruchung des Gelenks durch einseitige Belastungen, zum Beispiel durch extreme sportliche Tätigkeiten oder bestimmte Fehlhaltungen am Arbeitsplatz. Auch angeborene Fehlstellungen wie X- oder O-Beine können das Entstehen einer Arthrose begünstigen, weil sie zu einer ungleichen Belastung von Gelenken führen. Übergewicht kann ebenfalls die Gelenke zu stark beanspruchen und den Abbau von Knorpel ankurbeln. Vielfach unterschätzt wird, dass auch zu wenig Bewegung für das frühe Entstehen einer Arthrose verantwortlich ist. Nicht selten wird der Grundstock dafür bereits in der Kindheit gelegt. Wenn nämlich stundenlanges Sitzen vor dem Bildschirm das Herumtollen im Freien ersetzt, kommt der so wichtige Muskelaufbau zu kurz. Ist jedoch die stützende Muskulatur zu schwach ausgebildet, werden alle Belastungen direkt auf das Gelenk übertragen.

Früherkennung wichtig
Die Kniearthrose gehört zum Formenkreis des Abnützungsrheumatismus und darf angesichts der weiten Verbreitung als Volkskrankheit bezeichnet werden.Mehr als die Hälfte der Betroffenen ist älter als 60. Was nicht heißt, dass die Arthrose nur eine Erkrankung des höheren Alters ist, denn bereits ab dem 30. Lebensjahr können die Gelenke unter Abnutzung leiden. Da Knorpelzellen keinerlei Schmerz wahrnehmen können, bleiben die Verschleißerscheinungen lange Zeit unbemerkt und Schmerzen treten erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung auf. Deshalb ist es so wichtig, die Gelenkabnutzung so früh wie möglich zu entdecken und mit den entsprechenden Behandlungsmöglichkeiten zu beginnen. Nur so kann man das Voranschreiten der Abnutzung stoppen und die Betroffenen können weitgehend schmerzfrei und mobil bleiben.

Folgende Beschwerden sind für eine frühe Arthrose sehr verdächtig:
• Gelenksteifigkeit: diese ist bei den ersten Bewegungen nach einer Ruhelage besonders ausgeprägt. Steht man nach längerem Sitzen auf, sind die Knie steif und tun auch weh. In der Früh ist dieses Phänomen besonders deutlich vorhanden (Morgensteifheit). Mit der Bewegung lassen Schmerz und Steifheitsgefühl meist rasch nach. • Kraftlosigkeit: immer wieder wird von Patienten ein plötzliches „Einknicken“ der Beine angegeben. Man hat das Gefühl, daß die Knie plötzlich nachgeben. Im Extremfall sind Betroffene sogar schon gestürzt. • Gelenkgeräusche bei Belastung: Knacksen oder ähnliche Reibegeräusche können erste Hinweise für eine beginnende Arthrose sein. • Bewegungseinschränkung: auch wenn noch keine wesentlichen Schmerzen vorhanden sind, sollte eine Abnahme des Bewegungsumfanges des Kniegelenks an eine Abnützung denken lassen. So können viele Betroffene nicht mehr in die Hocke gehen. Auch ein Streckdefizit wirkt sich auf lange Sicht ungünstig aus.  
Wer dieses Stadium nicht ernst nimmt und behandelt, muß mit deutlichen Gelenksverformungen, Schwellungen und Dauerschmerzen rechnen. Typisch sind dann auch nächtliche und witterungsabhängige Schmerzen vor allem bei großen Wetterumschwüngen. Während zu Beginn der Arthrose die Schmerzen durch Bewegung besser werden, verstärken sich ab einem gewissen Abnützungsgrad die Beschwerden mit jedem Schritt. Durch das ständige Reiben der unebenen Gelenkflächen bildet sich dann auch häufig ein Gelenkserguß. Das Knie ist geschwollen, druck- und berührungsempfindlich und heiß.  
Zur Diagnose der Kniearthrose wird neben den klinischen Symptomen und konventionellen Röntgenaufnahmen zunehmend die Magnetresonanztomographie eingesetzt. Diese Methode erlaubt neben dem Erkennen von Frühzeichen der Abnützung auch die graduelle Abstufung des Knorpelschadens.Laborbefunde sind bei Arthrosen in der Regel unauffällig. Lediglich bei stark aktivierten Arthosen sind die Entzündungsmarker im Serum wie Blutsenkung und CRP mäßig erhöht. 

Moderne Therapien
Da es sich bei der Kniearthrose in erster Linie um einen Knorpelschaden handelt, werden routinemäßig Knorpelschutzpräparate verwendet. Die Injektion von Hyaluronsäure, einer künstlichen Knorpelschmiere, direkt ins Gelenk bringt dabei den größten Erfolg. Diese Knorpelinjektionen werden mit einer dünnen Nadel vorsichtig durchgeführt und sind deshalb kaum schmerzhaft. Unterstützt wird diese Therapie mit oralen Knorpelaufbaumitteln, also Präparate zum Schlucken. Chondroitin- und Glucosaminsulfat sowie Diacerein werden kurmäßig über jeweils drei Monate eingenommen und bauen den Knorpel von innen auf.Ist ein Knie stark entzündet oder sogar geschwollen, bringen Injektionen mit langwirksamen Kortisonpräparaten oft eine erstaunlich rasche Besserung.
Ist die Arthrose schon fortgeschritten, kommt man ohne schmerzstillende Medikamente nicht aus. Antirheumatika und Analgetika wirken Entzündung und Schmerz entgegen und verbessern die Beweglichkeit. Bei akuten Schüben und starken Beschwerden hat sich die Gabe von antirheumatischen Infusionen in Kombination mit hochdosiertem Vitamin B- und C-Komplex sehr bewährt. Sonst reicht die orale Einnahme aus.
Physikalische Therapiemaßnahmen in Verbindung mit Heilgymnastik und Muskeltraining sind ein unverzichtbarer Bestandteil jeder Arthrosetherapie. Aktive Bewegungsübungen erhöhen die Beweglichkeit und bauen Muskeln auf. Eine kräftige Muskulatur wiederum entlastet das geschädigte Gelenk und dient als Stoßdämpfer. Ultraschall und Elektrotherapie wirken entzündungshemmend. Bei Arthrosen mit einer deutlichen Entzündung werden aufs Knie Eisbeutel oder kalter Topfen aufgelegt. Bei chronischen Beschwerden arbeitet man dagegen mit milder Wärme (Moor- oder Fangopackungen). Eine Unterwassergymnastik im warmen Heilwasser ist vor allem bei schweren Arthosen hilfreich, da sich die Patienten unter Wasser durch den Auftrieb leichter und schmerzarmer bewegen können. Auch die im Heilwasser gelösten Elemente wie Radon oder Schwefel haben einen günstigen Einfluß auf den Krankheitsverlauf.Bei schweren Arthrosen muß man auf eine ständige Reduktion der Gelenksbelastung achten. Neben speziellen Entlastungsschienen(Orthesen) oder Krücken bringt auch der altbekannte Spazierstock eine gewisse Entlastung.
Alternativmedizinische Heilmethoden wie Magnetfeldtherapie, Akupunktur, Homöopathie und Neuraltherapie lassen sich ideal mit der Schulmedizin kombinieren.Der Gebrauch von klassischen Schmerzmitteln läßt sich damit deutlich senken, die Lebensqualität verbessern. Pflanzliche Präparate wie Krallendorn, Vitamin E, hochkonzentriertes Hagebuttenpulver aber auch Fischölkapseln wirken zusätzlich entzündungshemmend.  Mit einer gesunden Ernährung mit viel frischem Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und Fisch können Sie die Therapie gegen die Arthrose unterstützen, da auch diese Lebensmittel entzündungshemmend sind. Übergewicht hingegen wirkt sich besonders schlecht auf unsere Knie aus und sollte schleunigst abgebaut werden.
Wird durch den gezielten Einsatz aller konservativen Therapien kein ausreichender Erfolg erzielt, stehen eine Reihe von unterschiedlichen operativen Möglichkeiten wie Knorpelzelltransplantationen oder ein künstlicher Gelenksersatz zur Verfügung. 

Prävention ist die beste Therapie
Durch ein bewußtes Vermeiden von dauernder Belastung der Knie, sei es durch extremen Sport, Beruf oder Übergewicht kann wesentlich dazu beigetragen werden,  daß die Gelenksabnutzung nicht weiter fortschreitet. Angeborene Fehlstellungen sollten rechtzeitig korrigiert werden. Haltungs- und Ausgleichsturnen kann über eine gestärkte Muskulatur den Gelenksschaden oft Jahrzehnte hinauszögern. Übergewicht wirkt sich auf alle Gelenke der unteren Extremitäten besonders schlecht aus und solltemit gezielten Programmen mittels einer dauerhaften Ernährungsumstellung in Kombination mit moderatem Ausdauertraining schleunigst reduziert werden.Es liegt also in Ihrer Hand die Kniearthrose aufzuhalten! 

Dr. Thomas Schwingenschlögl, Reisenbauerring 5/1/5, A-2351 Wiener Neudorf, Tel: 02236/865910, Fax: 02236/865910 30 www.dr-schwingenschloegl.at


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