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Das Grüne Haus

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Inhaltsverzeichnis DGH 09/13
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Lust auf zauberhaften Weihnachtsduft?
Riechen Sie es schon? Weihnachten liegt in der Luft. Die Zimmer sind mit aromatischen Gewürzbüscheln und Zimtsternen dekoriert, Orangen mit Gewürznelken besteckt, Weihnachtsmischungen aus ätherischen Ölen steigen aus Duftlampen auf und Lebkuchen wird gebacken.

Kurz: Eine Atmosphäre schwebt in der Luft, die wir als den typischen Weihnachtsduft erkennen.Der “Hauch“ von Weihnachten kann sogar noch ein wenig mehr angeheizt werden. Mit dem Brauch des Räucherns. Egal ob Räucherkugeln in lustigen Räuchermännchen entzündet werden oder aromatische Pflanzensubstanzen beim Verglühen in Räucherschälchen Wohlgerüche verbreitet. Wenn sich der Rauch im Raum einmal entfaltet, scheint die Zeit stehen zu bleiben. Duftende Stille kann gelauscht, das Gemüt harmonisiert und die Sinne geklärt werden. So intensiv kann der Moment unmittelbarer Dufterfahrung des Räucherns wirken. Ein recht brauchbares Erlebnis in einer so stressigen Zeit, welche eigentlich die Stillste des Jahres sein sollte, nicht wahr?

Alles geht in Rauch auf

Seit Jahrtausenden sind die Menschen fasziniert vom Zauber, den der Räucherduft edler Harze, Hölzer und Kräuter ausüben kann, kurz eben auch Räuchern genannt. Dabei handelt es sich um eine uralte Tradition, welche sich auf die Rauhnächte stützt. Mit Rauhnächte sind die zwölf Nächte um die Wintersonnenwende, also die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr, gemeint. Man sagt, dass in dieser “Zeit zwischen den Jahren” die Tore in andere Welten offen stehen und diese Tage somit über das Geschick der kommenden Monate bestimmen. Nach dem Aberglauben besuchen uns in dieser rauhen Zeit die Seelen der Ahnen, die Perchten schleichen um die menschlichen Siedlungen, die Hexen feiern ihren Sabbat, Burschen und Mädchen suchen nach Partnern und die Zukunft wird in Orakeln befragt. Um die Ahnen zu speisen, Haus und Hof vor Geistern und Dämonen zu beschützen, Zauberspuk und Hexenwerk zu bannen, Liebespartner anzulocken und zukünftige Geheimnisse zu erkunden, wird geräuchert bzw. auch ausgeräuchert.

Mit den Göttern eine rauchen

So wie es himmlische Boten gibt, die ihre Schwingungen zur Erde schicken, heißt es, entsenden auch die Pflanzen ihre duftenden Botschaften zu den höheren Welten. Der Rauch wäre somit eine “geistige Speise“ andersweltlicher Wesen. Die Vorstellung, dass der Mensch durch aromatisierten, aufsteigenden Rauch in Verbindung mit den Göttern treten kann, ist weitverbreitet und findet sich In nahezu allen alten Kulturen. Der älteste Hinweis darauf stammt aus dem babylonischen Gilgamesch-Epos, das im 3. Jahrtausend v. Chr. niedergeschrieben wurde. Auch die Römer schickten ihre Bitten durch den Rauch, auf lateinisch “per fumum“ in die Götterwelt – daher kommt übrigens auch das Wort “Parfum“. Mit Weihrauch und Myrrhe brachten die Heiligen Drei Könige dem neugeborenen Jesus die kostbarsten Räucherwaren der damaligen Zeit als Geschenk. Und noch heute weht durch die katholischen Kirchen an hohen Feiertagen der Weihrauchduft. So kann es auch kein Zufall sein, dass sich die Wörter Weihrauch und Weihnachten ähneln. Beide leiten sich von “weihen“ oder “geweihtes“ ab. Das althochdeutsche Verb “wîhen“ wurde aus dem Adjektiv weich, “heilig”, das im 16. Jahrhundert ausgestorben ist, abgeleitet. Unser Wort “Weihnachten” leitet sich von dem mittelhochdeutschen Weiheakt ab. Das ist erstmals für die zweite Hälfte des 12. Jahrhundert, also der Zeit Hildegard von Bingens, belegt.

Ab in die Schale

Sollten Sie das weihnachtliche Rauchvergnügen probieren wollen, so brauchen Sie für den Eigenbedarf lediglich eine kleine, feuerfeste Schale. Wer es perfekt machen will, nutzt eines der schönen orientalischen Räuchergefäße. Eine dünne Schicht Sand verhindert, dass das Räuchergut direkt auf dem Boden des Gefäßes verbrennt. Ein kleines Stückchen Räucherkohle oder Räuchermehl aus der Drogerie wird entzündet und auf den Sand gelegt. Ist sie richtig durchgeglüht, legt man das Räucherwerk darauf und schon breiten sich die Düfte aus. Als Räucherwerk können verschiedene fertige Dufttmischungen gekauft werden, wie beispielsweise “Alpenkräuter”, “Waldduft” oder “Weihnachten“. Diese sind sorgfältig getrockneten und zerriebenen Aromapflanzen.Der bis heute benutzte Weihrauch für die Rauhnächte ist meist eine Mischung aus Harzen (Olibanum, Fichten- und Tannenharz, Bernstein) und Kräutern (Wacholder, Beifuß). Man nimmt dafür etwa die gleichen Teile dieser Harze und Kräuter und vermischt und zerstößt diese in einem Mörser. Das grobe Pulver wird in kleinen Gaben (z.B. teelöffelweise) nach und nach auf die glühende Räucherkohle gegeben. Statt Olibanum und Wacholder kann auch das Harz von der Tanne benutzt werden. Der Tannenduft ist immer noch eine beliebte Weihnachtsräucherung. Tannenharz und Tannennadeln werden auch gerne zur Herstellung von Räucherkerzen verwendet. Solche Räucherkerzen werden dann in hölzernen Räuchermännern oder Räuchermännchen geräuchert, welche ein typisches Produkt unseres steirischen Erzgebirges ist.Zauberhafte Düfte, göttliche Botschaften und fabelhafte Rauhnächte zur Sprache zu bringen, ist in unserer heutigen Wirklichkeit vermutlich für viele nicht mehr passend. Doch kann nicht verleugnet werden, dass von der uralten Tradition des Räucherns noch immer etwas in uns steckt. Denn duftende Räucherwerke, aromatische Würzgerüche und orientalischen Düfte sind von unserem Weihnachtsbrauchtum auch in unserer schnelllebigen Zeit heute nicht wegzudenken. Prof. Hademar Bankhofer

Quellen: CMA, naturheilpraxis.deBuchtipp: Thomas Kinkele: Räucherstoffe und Räucherrituale, erschienen im Windpferd Verlag


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