Anhand des Zusammenhangs zwischen Ernährung und Krebserkrankungen hat die Redaktion „amPuls“ einen genauen Blick auf „gutes“ und „schlechtes“ Essen geworfen. Das Ergebnis: ein Leitfaden, der auch im Alltag gesunden Genuss ohne totalen Verzicht möglich macht.
"Nahrung kommt direkt mit verschiedenen Organen des menschlichen Organismus in Kontakt“, sagt Dr. Anja Osterhues, Ernährungs-Expertin des Tumorzentrums Ludwig Heilmeyer CCCF des Universitätsklinikums Freiburg. Über Stoffwechselvorgänge und genetische Prozesse können Frühstück, Mittag- und Abendessen bis in jede Zelle hinein wirken. Am Beispiel Krebs gibt es Nahrungsmittel und Bestandteile, die Krebsentstehung und Wachstum fördern können – und solche, die die Gefahr eines Tumors vermindern. Bei Übergewicht gilt allerdings, dass der Körper selbst ein Krebsrisikofaktor ist.
"Menschliches Fettgewebe speichert nicht nur Energie. Es schüttet auch Hormone aus, die vor allem bei Frauen das Krebswachstum begünstigen“, so Professor Hartmut Bertz, Ernährungs- und Diätexperte der Klinik. Besser als jeder Verzicht auf Steak und Co. ist es, Übergewicht zu vermeiden, rät der Experte. Erst mit dem richtigen Gewicht können andere Ernährungsstrategien anschlagen.
Zu denen zählt beispielsweise, das Risiko von Schimmelpilzen nicht zu unterschätzen. Das gefährliche Aflatoxin B1 – ein Schimmelpilzgift – ist etwa der stärkste pflanzliche Auslöser von Leberkrebs, der zwar selten, aber gefährlich ist. Krebserzeuger im Essen selbst entstehen durch zu langes Braten und Grillen bei Temperaturen jenseits der 180 Grad.
Das durch die Medien bekannt gewordene „Acrylamid“ in zu stark frittierten Pommes frites ist nur ein Beispiel dafür. „Beim starken Erhitzen von Fleisch kommt es zur Bildung ähnlich gefährlicher Stoffe, besonders wenn beim Grillen heißes Fett in die Glut tropft“, sagt Expertin Osterhues. Das Thema Fleisch ist ohnehin Lieblings-Streitthema bei Ernährungsfragen.
Allem Genuss zum Trotz birgt es tatsächlich akute Gefahren. Es gilt als bewiesen, dass der Verzehr von zu viel rotem oder gepökeltem Fleisch und Wurst vor allem das Risiko für Dickdarmkrebs erhöht. Ähnlich gefährlich ist der Konsum von zu viel Speisesalz, das Gastritis und in Folge Magenkrebs verursachen kann.
Zu viel Alkohol ist ein weiterer Faktor für zahlreiche Krebserkrankungen. Experte Bertz: „Wegen des positiven Effekts auf Herz- und Kreislauf ist das Glas Rotwein am Tag aber noch immer geboten.“ Ein Blick auf die Ernährung mit Obst und Gemüse: „Darin enthaltene bestimmte Vitamine und einige sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe wirken antioxidativ und damit krebshemmend“, so Expertin Osterhues.
Professor Bertz ergänzt: „Obst und Gemüse sind auch deshalb so gesund, weil sie vom Verzehr wirklich schädlicher, kalorienreicher Nahrungsmittel durch das Sättigungsgefühl abhalten können.“
Tipps für die richtige Ernährung im Alltag
Wie lassen sich die vorgestellten und weitere Mahnungen der Wissenschaft in einen akzeptablen Ernährungs-Alltag übernehmen? Ganz einfach: Unsere beiden Experten haben Forschungsergebnisse des World Cancer Research Funds auf wenige Punkte zusammengepackt und in einer handlichen Tabelle aufbereitet.
● Übergewicht ist der Champion unter den ernährungsbedingten Krebsauslösern. Halten Sie Ihren Body-Mass-Index zwischen 18,5 und 25. Dabei helfen 30 Minuten Bewegung täglich.
● täglich fünf handgroße Portionen Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukte verzehren.
● Fette, auch in Nahrungsmitteln versteckte Fette, sollten maximal 30 Prozent der täglichen Kalorien ausmachen – so viel steckt, je nach Kalorienbedarf, in rund 100 Gramm Margarine. Tierische Fette (in Wurst, Butter, Käse, etc.) sollten gegen Vertreter aus Pflanzen, Nüssen und Fischen getauscht werden.
● Rotes und gepökeltes Fleisch und Wurst: maximal 500 Gramm pro Woche. Essen Sie lieber Geflügel und Fisch.
● Verschimmelte und faule Lebensmittel meiden und rasch entfernen.
● Kein Nachsalzen von Lebensmitteln: Sechs Gramm Salz am Tag genügen – viele Lebensmittel enthalten bereits viel Salz.
● Alkohol in Maßen genießen: Männern sind ein bis zwei Bier täglich erlaubt, Frauen wegen des anderen Stoffwechsels nur die Hälfte.
● Temperaturen über 180 Grad und zu langes Garen von Lebensmitteln müssen nicht sein.
● Finger weg von Nahrungsergänzungsmitteln