| Wer abends Salat isst, kann nicht schlafen! Olivenöl ist das gesündeste Speiseöl! Mit "Light"-Produkten verringert man sein Gewicht! Diese und viele andere Aussagen sind verwirrend und oft falsch.
Mag. Rita Kichler, Gesundheitsreferentin des Fonds Gesundes Österreich, erklärt einige dieser Irrtümer. Im Rahmen der Kampagne des Fonds Gesundes Österreich und des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen zu ausgewogener Ernährung, die unter dem Motto "Die Ernährungspyramide baut auf!" stattfindet, beschreibt die Ernährungswissenschafterin die Zusammenhänge auf der Basis fundierter wissenschaftlicher Erkenntnisse.
Gesund und ausgewogen ernähren wollen sich die meisten Menschen. Nicht alle wissen, wie das zu bewerkstelligen ist. Bücher - auch gute - zum Thema gibt's genug. Wem die Lektüre von Ernährungsratgebern zu aufwändig ist, gibt sich daher auch gerne mit populären Sprüchen aus dem Alltag zufrieden.
Viele Tipps rund ums gesunde Essen sind fragwürdig und teilweise sogar falsch. Über die Jahrzehnte haben sich viele Vorurteile im Bewusstsein der ÖsterreicherInnen durchgesetzt, die sich erstaunlich lange halten.
"Diät"-Produkte sind gut für die Figur
"Diät"-Produkte sind nicht gleichzusetzen mit kalorienarm. Es handelt sich dabei um diätetische Lebensmittel und Getränke, die für Personen mit speziellen Bedürfnissen entwickelt wurden. Diätschokolade ist beispielsweise eine für DiabetikerInnen entwickelte Schokolade, bei der Saccharose (Haushaltszucker) durch Zuckeraustauschstoffe ersetzt wird.
Der Fettanteil entspricht jedoch einer herkömmlichen Schokolade," so Rita Kichler, "sodass sie sich in ihrem Energiewert kaum von dieser unterscheidet."
"Light"-Produkte sorgen für leichteres Gewicht
Der Begriff "light" oder "leicht" ist jedoch im Lebensmittelrecht weder exakt definiert noch geschützt. Er kann für "kalorienarm", "kalorienreduziert", "nährstoffreduziert", "fettreduziert", "fettarm" oder "wenig Zucker" stehen.
Ebenso kann "light" aber "leicht gesalzen", "alkoholarm" oder "leicht bekömmlich" bedeuten. Mag. Kichler: "Es ist nicht notwendig, bei der Gewichtsreduktion auf Light-Produkte zurückzugreifen.
Wer seine Ernährung optimiert und sich an der Ernährungspyramide orientiert, das heißt viel Obst, Gemüse, Salate, Kartoffeln und Vollkornprodukte isst, ist gut dran. Denn diese Lebensmittel sind von Natur aus kalorienarm und gleichzeitig reich an wertvollen Inhaltstoffen. Es ist daher nicht notwendig, auf Lightprodukte zurückzugreifen."
Probiotisches Joghurt ist gesünder
Bei den probiotischen Lebensmitteln handelt es sich um solche, denen lebende Mikroorganismen beigefügt wurden. Das besondere an diesen Mikroorganismen ist, dass ein Großteil von ihnen die Passage durch den salzsäurehältigen Magensaft überlebt, dadurch können sie sich im Darm ansiedeln und die Darmflora beeinflussen.
"Als mittlerweile wissenschaftlich gesichert gilt, dass einige Bakterienarten bei Durchfällen positive Einflüsse haben können. Die Voraussetzung dafür ist allerdings eine ausreichende, hohe Keimzahl im probiotischen Lebensmittel sowie der regelmäßige, tägliche Verzehr, da die über Probiotika in den Darm eingebrachten Keime rasch durch andere Bakterien verdrängt werden und damit nur eine kurze Verweildauer im Darm haben," erklärt Mag. Kichler.
Grundsätzlich sind auch herkömmliche Joghurts und fettarme Milchprodukte gesundheitsförderlich und sorgen mit vielen Geschmacksvarianten für Abwechslung am täglichen Speiseplan. "Probiotische Lebensmittel können keine ausgewogene Ernährungsweise ersetzen," so die Expertin.
Vom Essen am Abend wird man dick
"Stimmt so nicht!", erklärt Rita Kichler, "denn egal, wann man isst, die Kalorien zählen immer gleich viel." Wer abnehmen will, muss vor allem darauf achten, dass er insgesamt während eines Tages, einer Woche, eines Monats weniger Nahrungsenergie zu sich nimmt, als er verbraucht. Wann gegessen und getrunken wird, spielt demnach keine so große Rolle."
Dennoch ist es ratsam, sich des alt bekannten Spruchs zu erinnern "'Iss morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein Edelmann und abends wie ein Bettler', denn ein üppiges Mahl am Abend kann zu Völlegefühl und Magendrücken führen und somit die nächtliche Erholungsphase beeinträchtigen," so Kichler.
Fructose ist der gesündere Zucker
"Fructose (Fruchtzucker) ist ein Einfachzucker, der u.a. in Obst und Honig vorkommt, aber auch Bestandteil verschiedener Zuckerarten, wie der Sacchrose (Haushaltszucker) ist und in reiner Form als Süßungsmittel im Handel erhältlich ist.
Viele Lebensmittel und Getränke werden neuerdings mit Fructose versüßt," so Mag. Kichler. "Gesünder als Haushaltszucker ist Fructose allerdings nicht, denn ähnlich wie dieser ist Fructose sehr energiereich, ohne dabei wichtige Nährstoffe zu enthalten."
Margarine verhilft zu einer schlankeren Linie
Margarine und Butter enthalten die gleiche Menge Fett, rund 80 Prozent. Rita Kichler: "Der Kaloriengehalt dieser beiden Fette ist fast ident. Und an der Frage, ob Butter oder Margarine besser ist, scheiden sich die Geister.
Butter ist ein natürliches Fett mit einem hohen Anteil an kurzkettigen Fettsäuren, die rasch vom Körper aufgenommen werden können und gut verträglich sind. Sie hat jedoch einen relativ hohen Gehalt an Cholesterin und gesättigten Fettsäuren, was den Cholesterinspiegel erhöhen kann.
Bei Margarine hingegen ist der Gehalt an ungesättigten Fettsäuren höher und im Gegensatz zu Butter enthält sie kein Cholesterin." Sparsamer Gebrauch ist jedoch bei beiden Streichfetten angesagt. "Denn ein guter Brotbelag, beispielsweise Topfenaufstrich braucht keine fette Unterlage", so Kichler.
Obst- und Gemüsenektar ist nahrhafter als Saft
In der griechischen Mythologie ist "Nektar" das Getränk der Götter. Dies lässt vermuten, dass die Bezeichnung Nektar auf reine Fruchtsäfte zutrifft. Tatsächlich enthalten jedoch die als Fruchtnektar angebotenen Getränke, zwischen 25 und 50 Prozent Mindestgehalt an Früchten, zudem wird Wasser und bis zu 200 Gramm oder 20 Prozent Zucker pro Liter zugesetzt.
Mag. Kichler empfiehlt, "reine Säfte zu konsumieren, die zu 100 Prozent aus Früchten oder Gemüsen hergestellt werden, denn diese enthalten die Vorzüge aller Inhaltstoffe. Da aber auch Früchte und somit Fruchtsäfte von Natur aus Zucker enthalten, wird geraten, sie mit Wasser oder Mineralwasser zu verdünnen".
Als "Obst- und Gemüsesäfte" dürfen laut Lebensmittelrecht nur solche Getränke bezeichnet werden, die zu 100 Prozent aus Früchten oder Gemüse hergestellt werden. Erlaubt ist das "Eindicken" oder "Konzentrieren" des Saftes bei der Herstellung, um Lager- und Transportkosten zu sparen. Anschließend wird dann wieder mit Wasser verdünnt. Säfte, bei denen darauf verzichtet wurde, werden als "Direktsaft" oder "Direktpressung" vermarktet.
Olivenöl ist gesünder als andere Ölsorten
Das Olivenöl hat in den letzten 20 Jahren als Teil der Mittelmeerküche einen Siegeszug angetreten. Es wird als das gesündeste Öl verehrt. "Im Direktvergleich der Inhaltsstoffe", meint Rita Kichler, "schneidet Olivenöl jedenfalls nicht besser ab als zum Beispiel Rapsöl." Beide enthalten ähnlich viele einfach ungesättigte Fettsäuren und können sich positiv auf den Cholesterinspiegel auswirken und damit zur Senkung des Arterioskleroserisikos beitragen".
Kichler empfiehlt, "die Fettzufuhr hauptsächlich über pflanzliche Speiseöle, wie Sonnenblumen-, Maiskeim-, Soja-, Raps-, Oliven-, Walnuss-, Kürbiskernöl, u.a. zu decken und bei der Ölauswahl abzuwechseln; denn pflanzliche Öle bestehen zum größten Teil aus ungesättigten Fettsäuren, zudem enthalten sie fettlösliche Vitamine und andere wertvolle Fettbegleitstoffe".
Rohes Gemüse ist immer gesund
Wie die meisten Pauschal-Wahrheiten trifft auch diese nicht zu. "Für bestimmte Gemüsesorten ist kochen sogar ein Muss", erläutert Rita Kichler, "zum Beispiel für rohe Hülsenfrüchte, deren gesundheitsschädliche Stoffe, genannt Hämagglutinine, erst durch die Hitze deaktiviert werden.
Bei anderen Gemüsesorten werden bestimmte wertvolle Substanzen erst verwertbar, nachdem die Zellwände durch Kochen aufgeschlossen wurden, das gilt zum Beispiel für Carotinoide aus Karotten."
Bei Paradeisern kann das darin vorkommende Lycopin ebenfalls besser aufgenommen werden, nachdem sie zerkleinert und erhitzt wurden. Dieser sekundäre Pflanzeninhaltsstoff gilt als antioxidativ und damit möglicherweise vorbeugend gegen Arteriosklerose, Herzinfarkt und Krebs.
Obst am Abend gärt im Magen
"Wer am Abend zu Obst greifen will", so Mag. Kichler "sollte sich nicht vom Irrtum abhalten lassen, dass die Früchte dann im Darm "gären". Solche Gärprozesse sind zwar theoretisch möglich, sie erfolgen aber unabhängig von der Uhrzeit".
Die Voraussetzung dafür ist, dass bereits angegorenes Obst, angegorene Säfte oder andere noch aktive Hefen enthaltende Nahrungsmittel, die durch die Magensäure nicht vollständig inaktiviert werden konnten, verzehrt wurden.
"Was dabei im Körper geschieht hängt weniger davon ab, zu welcher Tageszeit die Verdauung stattfindet, als vielmehr von der Qualität der konsumierten Lebensmittel und teilweise davon, ob sorgfältig gekaut wurde oder nicht."
Vitaminpillen sorgen für mehr Vitalität
"Die Annahme, dass zusätzliche Vitamine durch Vitaminpillen gleichzeitig für mehr Vitalität sorgen ist nahe liegend. Falsch ist sie trotzdem", so Rita Kichler. "Die beste Wirkung, sich mit allen essentiellen Vitaminen und Mineralstoffen ausreichend zu versorgen, erreicht man mit einer ausgewogenen, möglichst vielseitigen Ernährung. Dabei sollten natürliche Vitaminlieferanten bevorzugt werden, also fünf Portionen am Tag, in Form von Obst, Gemüse und Salat. Günstig ist es auch Vollkornbrot statt Weißbrot zu essen."
Für einzelne Bevölkerungsgruppen, wie Schwangere oder Stillende, die einen erhöhten Bedarf an einzelnen Vitaminen oder Mineralstoffen haben oder für Menschen mit diversen Nahrungsmittelunverträglichkeiten, kann es ratsam sein, Vitaminpräparate gezielt einzunehmen, dies sollte allerdings nur nach ärztlicher Konsultation erfolgen.
Spinat ist der beste Eisenlieferant
Dabei ist der Gehalt des Spurenelements in Schweinefilet fast drei mal so hoch und in Hülsenfrüchten wie Linsen fast doppelt so hoch. Die Erklärung dieses hartnäckigen Gerüchts ist eine falsche Berechnung: ein Schweizer Physiologe errechnete, dass 100 Gramm Spinat 35 Milligramm Eisen enthalten.
Das Problem dabei: Der Forscher experimentierte mit getrocknetem Spinatpulver, das grüne Gemüse besteht aber zu 90 Prozent aus Wasser. Tatsächlich enthalten 100 g verzehrbarer Spinat rund 4 Milligramm Eisen.
Kartoffeln machen dick
Dieses Gerücht hält sich wirklich hartnäckig. "Wahr ist, dass man mit kohlenhydratreicher Nahrung und Kartoffeln richtig gut fährt. Das gilt allerdings nicht für Pommes Frites oder Chips", erläutert Rita Kichler. Kartoffeln sind sehr empfehlenswerte Lebensmittel, vor allem wenn sie fettarm zubereitet sind. "Essen Sie lieber gekochte Kartoffeln oder Petersilkartoffel statt Pommes Frittes", rät die Expertin.
Die Ernährungspyramide baut auf
Mit seiner aktuellen Informations-Offensive unter dem Motto "Die Ernährungspyramide baut auf" will der Fonds Gesundes Österreich gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium und weiteren KooperationspartnerInnen die ÖsterreicherInnen für mehr Ernährungsbewusstsein sensibilisieren.
Die durch falsche Ernährung bedingten Erkrankungsrisiken sollen verringert und den ÖsterreicherInnen gesündere Formen des Essens und Trinkens schmackhaft gemacht werden.
"Wir empfehlen eine vielfältige und ausgewogene Ernährung, die dem Bild der Ernährungspyramide entsprechend zusammengesetzt ist.", erklärte Dennis Beck, der Geschäftsführer des Fonds Gesundes Österreich, eine wesentliche Zielsetzung der Kampagne. Die Ernährungspyramide veranschaulicht, in welchen Mengen bestimmte Lebensmittelgruppen auf dem Menüplan der Österreicherinnen und Österreicher stehen sollten.
Das heißt: Kein Lebensmittel ist ungesund oder gar "verboten". Aber manche Dinge sollten eben nur sehr selten gegessen werden, andere täglich und reichlich - so wie Obst und Gemüse, von denen fünf Portionen pro Tag empfehlenswert sind, gleiches gilt für Kartoffeln und Getreideprodukte.
Diese Produkte bilden die Basis der Pyramide. Weit oben finden sich Fette und Öle, von denen möglichst wenig verzehrt werden sollte, an der Spitze stehen kleine "Extras" wie Süßigkeiten, Mehlspeisen und salzige Knabbereien.
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