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Zum Kotzen: Körperideale, Sport & Gesundheit

Willkürliche – meist von kontrollierenden Eliten geschaffene – „Körperideale“ sind so alt wie die Menschheit, wobei es ziemlich egal ist, nach welchen Kriterien sich eine „Elite“ als überlegen definiert. Blicken wir kurz zurück.
Solange das „gemeine Volk“ auf den Äckern robotete, daher sonnenverbrannte Haut aufwies, war es vornehm, seine Haut mit Hüten, Handschuhen und Sonnenschirmen vor Sonneneinwirkung zu schützen; kaum werkte das Gros der Menschen in Büros, galt es fein, das ganze Jahr über mittels sonnengebräunter Haut den ewigen Urlaub am Meer zu signalisieren.

Solange arme Menschen hungerten, war es vornehm, üppige Formen aufzuweisen; solange Menschen schwere körperliche Arbeit verrichten mussten und daher kräftig wenn auch ungesund aßen und dies auch an ihrer Körperform sichtbar war, galt es fein, sich zu schnüren, dass man kaum mehr atmen konnte, dafür aber „Haltung“ bewahren; solange Menschen ihr überwiegendes Leben sitzend an Form verlieren, gilt es als fein, einen „gestylten“ „Body“ vorzuzeigen.
Tatsache ist, dass der „gesundheitliche“ Aspekt in allen genannten Beispielen in Wahrheit vielfach zurücktritt hinter das „Dazugehören“, „Mitmachen“, „In-Sein“. Das wundert auch nicht, denn zahllose Konzerne der Kosmetik- und anderer Industriezweige sowie Verlage und auch medizinische Disziplinen wie die so genannte „Schönheitschirurgie“ leben davon, Menschen in die „zeitgeistige Körperstyling-Zwangsjacke“ zu stecken.

Das gilt auch für überzogene Zwangsbilder, die immer mehr im Breitensport Fuß fassen – etwa als „Iron Man“. Schon die Übersetzung des Begriffes erzeugt Gänsehaut. Eiserner Mann = Rüstung = Ritter = Terminator = Sieg. Jeder kann dieses unerfreuliche Wortspiel selbst beliebig fortsetzen.
Diese vielschichtigen Zwänge treffen - von dynamischen Marketingmaschinen unterstützt - also auf willfährige „Normal-BürgerInnen“. Vielfach allerdings keineswegs zu deren Nutzen. Vielfach brechen die so unter Druck gesetzten schlichtweg zusammen und vordergründig „gut Gemeintes“ schlägt um in körperschädigende Verhaltensweisen.

Derartige Fehlentwicklungen bei übergroßem Leistungsdruck und Erfolgszwängen hinsichtlich der körperlichen Gestaltungsmöglichkeiten sind hier vor allem Ess-Störungen, Sportsucht und Körperkorrekturen überhaupt.
Und davor muss eindinglich gewarnt werden, denn schon die grundsätzliche Wahrnehmung dieser Gefahren kann ein erster Schritt weg von potenziellen Gesundheitsschädigungen zu sein.
Univ. Prof. Dr. Rotraud A. Perner, Leiterin d. Inst. f. Stressprophylaxe & Salutogenese, office@perner.info

Heldinnen der Medien

Sport hat seinen Ursprung im Mythischen und Religiösen, die Regeln im Sport sind einfach, und jeder kann in vielfältiger Weise am Sport teilhaben.
Sportler und Sportlerinnen, die in den Olymp aufsteigen, Ski-Legenden und Fußball-Helden, Giganten und Heroen – sie alle deuten eindringlich darauf hin, wo die Wurzeln des Sport zu verorten sind: im Mythischen, im Rituellen.

Große Sportereignisse vermögen gar Grenzen zu überwinden, und soziale Unterschiede zu nivellieren. Sport ist keine Frage des Milieus. Der Bessere oder Schnellere siegt, der Langsamere, Schlechtere verliert. Nicht zuletzt deshalb suggeriert der Sport auch eine Form der „heilen Welt“.
Die Identität der Nation Österreich ist – ähnlich wie andere – durchaus auch an den Sport gebunden. Ski-Legenden wie Toni Sailer, Franz Klammer und Annemarie Moser-Pröll trugen maßgeblich dazu bei. Allein die Bezeichnung Österreichs als „Skination“ drückt dieses hohe Identifikationspotenzial mit dem Skisport aus. Sportpatriotismus ist nicht nur gesellschaftlicher sondern sogar politischer Motor, mit allen damit verbundenen Konsequenzen.

Die Helden werden zudem gerne vom Publikum vereinnahmt. Sportler sind die ideale Projektionsfläche für die Erwartungen, Wünsche und Sehnsüchte des Publikums, der Fans.
Medienprodukte sind - vereinfacht formuliert - voller verallgemeinernder Klischees. Frauen werden in der medialen Wahrnehmung allerdings häufig stereotypisch dargestellt. Die hohen Ansprüche an die moderne Frau werden auch medial transportiert. Allerdings an den Anspruch von Schönheit und Jugendlichkeit gekoppelt. Massenmedien stellen jedem Medienkonsumenten eine Vielzahl von Vorbildern zur Verfügung. Die massenmediale Präsenz solcher Identifikationsfiguren ist allerdings mit der (sublimen) Forderung verbunden, diese zu adaptieren.

Dies bestätigt sich auch in Hinblick auf Spitzensportler. Weibliche Spitzensportler werden gemeinhin eher mit Attributen wie „fesch, sexy, emotional“ verbunden, wohingegen männliche Spitzensportler eher mit Begriffen wie „stark, kühn, draufgängerisch“ assoziiert werden. Sportlerinnen sind in der Berichterstattung – ähnlich wie Frauen generell – benachteiligt. Gleichzeitig erscheint ihre Leistung jener der männlichen Kollegen nachzustehen. So zeigt zum Beispiel allein der Vergleich der Präsenz (in Bild und Text) diese Tendenz.

Diese geschlechtsspezifischen Zuschreibungen finden vor allem bei der Analyse der Berichterstattung von Fernsehen und Zeitung aber auch der Werbung eine tendenziell noch stärkere Ausprägung.
All diese Fakten reflektieren aber wieder auf die Betroffenen – die SportlerInnen – zurück. Häufig nicht zu deren vergnügen. So ist es leicht nachvollziehbar, dass sich eine Abfahrtsweltmeisterin nicht damit abfinden kann, weniger „wert“ zu sein als ihr männliches Gegenstück. Nicht zuletzt führt dieses mediale „Ausgeliefertsein“ zur Ausdehnung bis auf den privaten Bereich. Mit Argusaugen wird beispielsweise beobachtet, wer wo was trinkt, ob man nicht – meist Nachteiliges – daraus interpretieren kann. In Summe ist das Dasein als (Volks-) „HeldIn“ zweifellos ein Teil des Ruhmes, der mit Spitzensport verbunden ist mit allen Konsequenzen, viele davon sind wenig schön.
Mag. Aga Kwiecinski, Universität Wien, Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, aga.kwiecinski@univie.ac.at



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