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Vielfach ist das Wetter daran schuld, dass jetzt so viele erkältet sind. Da ist für uns die Vitamin-C-Zufuhr ganz wichtig. Und ein klassischer Lieferant für Vitamin C ist ja das Sauerkraut.
Doch Sauerkraut kann viel mehr. Man kann es mit gutem Gewissen als Naturarznei - besonders für den Winter - bezeichnen: für Fitness, Vitalität und für die Gesundheit.
Wie kann man Sauerkraut selbst herstellen?
Prof. Bankhofer: Sauerkraut selbst herzustellen ist gar nicht so schwer. Und es hat den Vorteil, dass man ein besonders mildes Sauerkraut zur Verfügung hat. Außerdem macht es Spaß, sein eigener Sauerkraut-Produzent zu sein.
Man schneidet frisches Weißkraut in feine Streifen, gibt diese Streifen in ein verschließbares Glas, am besten ein Einweck-Glas, und drückt die Krautstreifen mit einem Holzlöffel fest zusammen, nachdem man Kümmel und Wacholderbeeren daruntergemischt hat.
Ein Geheimtipp: Geben Sie 2 Eßlöffel Brottrunk als Gärungshilfe dazu. Und füllen Sie das Glas mit abgekochtem, kaltem Wasser auf. Pro Liter Wasser geben Sie 15 Gramm Salz dazu.
Schließen Sie das Glas und lassen sie es 4 Wochen stehen. Und dann haben Sie bereits ein mildes, schmackhaftes Sauerkraut.
Es ist nämlich nicht gut, gekauftes Sauerkraut mit Wasser milder zu machen, wenn es zu salzig oder zu scharf schmeckt. Dabei wäscht man nämlich die Wirkstoffe heraus.
Seit wann stellt man denn Sauerkraut her ? Hat es eine lange historische Tradition?
Prof. Bankhofer: Die Chinesen, Phönizier, später die Griechen und Römer kannten schon Sauerkraut. Der griechische Arzt Hippokrates hat Sauerkraut als Stärkungsmittel seinen Patienten verordnet. Bei den römischen Legionären war es ein Teil der Pflichtverpflegung.
Captain Cook hat auf seinen Seereisen immer 60 Fässer Sauerkraut mit an Bord gehabt. Und es gab für die Matrosen Prügelstrafe, wenn einer sein tägliches Sauerkraut nicht aß. Man hat damals die Erfahrung gemacht: Wenn Matrosen auf ihren weiten Reisen Sauerkraut aßen, dann bekamen sie kein Scorbut. Die Zähne fielen ihnen nicht aus.
Heute wissen wir: Das Sauerkraut schützte vor dem Vitamin-C-Mangel. Seine größte Bedeutung aber bekam das Sauerkraut im Laufe der Zeit als Naturarznei auf dem Land, damit die bäuerliche Familie gesund durch den Winter kommen konnte.
Was ist außer Vitamin C noch im Sauerkraut drinnen?
Prof. Bankhofer: Eine Menge Wirkstoffe kommen da zum Tragen:
- Durch die Gärung entsteht Milchsäure. Sie ist für die Gesundheit des gesamten Verdauungstraktes wichtig. Sie fördert die Bildung positiver Darmbakterien, stärkt die Immunkraft im Darm, neutralisiert Gärstoffe im Darm. Darum hat Pfarrer Kneipp das Sauerkraut auch den "Besen des Darms" genannt.
- Sauerkraut ist reich am Vitamin B12. Es ist wichtig für geistige Frische, für gute Laune, für Kraft gegen Stress, für den Aufbau der roten Blutkörperchen, für den Knochenbau und den Herzmuskel. B12 findet man sonst nicht in sehr vielen Lebensmitteln.
- Sauerkraut ist ein Schatz an Vitamin B6 für die Eiweiß-Verarbeitung, und B3 für den Gehirnstoffwechsel.
- Im Sauerkraut ist auch reichlich Folsäure enthalten.
- Diese B-Vitamine machen das Sauerkraut so wichtig gegen zu hohe Homocystein -Werte, eine aggressive Aminosäure,die unsere Gefäße und das Herz bedroht, wenn man zuviel Fleisch und zu wenig Gemüse ißt.
- Da aber im Sauerkraut auch Zink und Magnesium zu finden sind, ist es ein herrlicher Ausgleich für alle, die sich sonst nicht sehr vollwertig ernähren.
- Das Acetyl-Cholin wirkt beruhigend auf das vegetative Nerensystem. Mit einer 3-Monate-Kur haben Nervenärzte in Deutschland bereits Menschen mit starker Nervosität und depressiven Verstimmungen helfen können.
Was kann man denn mit Sauerkraut alles für die Gesundheit tun?
Prof. Bankhofer: Die medizinischen Wirkungen des Sauerkrautes sind vielfältig:
- Wer regelmäßig Sauerkraut ißt, wirkt vitaler, frischer, hat bessere Laune.
- Man wird widerstandsfähiger gegenüber Stress-Situationen.
- Die Qualität des Blutes wird besser. Der Eisenhaushalt wird verbessert.
- Cholesterinwerte können verbessert werden.
- Das Immunsystem gegen Erkältungen wird maßgeblich gestärk.
- Die Produktion von Magensäure kann bei jenen Menschen angekurbelt werden, die zu wenig davon haben.
- Die Spurenelemente Zink und Molybdän stärken die Liebeskraft.
- Rheuma-Beschwerden können gelindert werden, weil das Sauerkraut hilft, Ablagerungen von Säurekristallen in den Gelenken zu verhindern.
Wieviel Sauerkraut muss ich denn so essen, damit ich eine medizinsche Wirkung erreiche?
Prof. Bankhofer: Die Ernährungswissenschaft gibt vor: 100 bis 150 Gramm pro Tag. Das sind etwa 2 bis 3 gehäufte Gabeln voll. Wichtig ist auch, dass man das Sauerkraut sehr gut und intensiv kaut. In Korea ist es üblich, dass viele Menschen gleich am Morgen zum Frühstück ihr tägliches Sauekraut wie ein Medikament nehmen.
Können auch Diabetiker unbedenklich Sauerraut essen?
Prof. Bankhofer: Selbstverständlich. Es handelt sich dabei um eine sogenannte "freie" Gemüsesorte, die den Diabetiker überhaupt nicht belastet.
Sollte das Sauerkraut, wenn es um die Gesundheit geht, immer nur roh gegessen werden?
Prof. Bankhofer: Das ist der Ideal-Zustand. Roh ist das Sauerkraut am gesündesten, am wirkungsvollsten. Und man sollte es im Reformhaus oder im Bio-Laden kaufen oder darauf achten, dass keine chemischen Zustätze zur Herstellung verwendet wurden.
Wichtig ist auch: Wer regelmäßig Sauerkraut ißt, sollte rundum eher salzreiche Kost meiden, weil im Sauerkraut viel enthalten ist. Damit der Körper nicht zuviel davon abbekommt.
Und wenn man Sauerkraut zuereitet, dann sollte man es nicht länger als 20 bis 25 Minuten sanft köcheln lassen. Sonst wird es weich und inhaltslos.
Und man muss nicht immer nur eine fette Wurst oder Geselchtes dazu essen: Sauerkraut ist eine herrliche Beilage zu Fisch oder Garnelen.
Und es schmeckt besonders gut, wenn man vor dem Servieren ein paar Tropfen Olivenöl daraufgibt.
Dazu mein persönlicher Tipp: Geben Sie auf das gekochte Sauerkraut eine kleine Gabel voll feingehacktes rohes obendrauf. Dann ist das Ganze gesünder.
Gibt es auch Möglichkeiten, das rohe Sauerkrat abwechslungsreich zuzubereiten? Oder muss man es immer nur so pur essen?
Prof. Bankhofer: Rohes Sauerkraut ist eine ideale Vorspeise mit kleingehackten Äpfeln, mit Ananas-Stückchen, Mandarinen-Spalten, mit fein geriebener Roten Rübe.Und hier ein Rezept für 2 Personen, das ich besonders gern mag:
250 Gramm Sauerkraut klein schneiden, etwas auflockern, in eine Schüssel geben, einen Apfel schälen, in kleine Stücke schneiden, unters Sauerkraut mischen.Mit 1 Esslöffel kaltgepresstem Olivenöl verrühren. Mit 2 Esslöffel Rosinen garnieren und servieren.
Sauerkraut ist eine gute Hilfe,dass wir gesünder durch den Winter kommen können. Ich hoffe, ich habe jetzt viele auf die Idee gebracht, viel öfter Sauerkraut zu genießen. Und dazu wieder mein Rat: Probieren Sie es doch einfach einmal aus!
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