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Sie sind pechschwarz, machen in der Küche viel Arbeit und schmutzige Hände. Es sind die Schwarzwurzeln, von vielen ungeliebt. Leider - denn es ist ein sehr gesundes Gemüse.
Warum ist denn die Schwarzwurzel - ein typisches Wintergemüse - in unserer Küche eigentlich so wenig beliebt?
Prof. Bankhofer: Das ist ähnlich wie bei der Hirse. Die Schwarzwurzel ist ein Gemüse, das aus unserer Gegend - aus Mitteleuropa - stammt. Sie war schon bei den Germanen bestens bekannt. Unter Kaiser Karl, dem Großen, war die Schwarzwurzel das Lieblingsgemüse der feinen Leute. Karl,der Große, hat sie selbst gegessen, um jung und gesund zu bleiben.
Außerdem hat man damals die Schwarzwurzel als Medizin bei Schlangenbissen und als Schutz vor der Pest eingesetzt. Und man hat Alkoholikern mit Leberproblemen Schwarzwurzeln vorgesetzt. Zur Stärkung der Leber.
Dann aber ist im Laufe der Zeit die Schwarzwurzel eher zu einem Arme-Leute-Essen geworden. Man nannte sie auch den Spargel der Armen. Und vermutlich haben sich daher viele von diesem wertvollen Gemüse distanziert.
Was macht die Schwarzwurzel in der Ernährung so wertvoll?
Prof. Bankhofer: Darüber sollten wir alle viel mehr wissen.
- Die Schwarzwurzel ist ein sehr kalorienarmes Gemüse. Ideal fürs Schlankbleiben und Schlankwerden. 100 Gramm haben nur 16 Kalorien.
- Sie liefert viele Ballaststoffe, also gut für die Verdauung.
- Sie enthält wenig Vitamine, einzig und allein das Vitamin B1, das unsere Nerven stärkt.
- Die Schwarzwurzel enthält aber viele Mineralstoffe und Spurenelemente: Magnesium für Herz und Kreislauf, Kalium für die Verdauung und die Muskel, Eisen fürs Blut, Kupfer für unsere Gehirnarbeit, Mangan für unsere Leber.
Kann man mit Schwarzwurzel-Essen gegen bestimmte Alltagsbeschwerden vorbeugen oder sie vielleicht sogar dagegen einsetzen?
Prof. Bankhofer: Ja,das kann man. Da gibt es viele Möglichkeiten:
Wer zum Beispiel Innereien ist, die ja viel Purine enthalten, die wieder die Gift fördern, dann ist es sinnvoll Schwarzwurzeln dazu zu essen. Weil das Mangan in der Schwarzwurzel den raschen Abbau der Purine fördert.
Die Entgiftungsarbeit der Leber wird gefördert. Die Bildung der roten Blutkörperchen wird aktiviert.Wenn man Tomaten dazu ißt, die viel Folsäure enthält, kann man das noch verstärken.
Schwarzwurzeln enthalten viel Kupfer und wirken damit der Osteoporose - der gefürchteten Knochenentkalkung - entgegen.Wichtig: Wenn jemand regelmäßig Medikamente einnehmen muss, so kann dadurch ein Kupfermangel im Körper entstehen. Dem kann man durch regelmäßiges Essen von Schwarzwurzeln entgegenwirken.
Frauen in den Wechseljahren, die ja fast immer mit Osteoporose-Problemen konfrontiert sind, sollten regelmäßig Schwarzwurzeln in ihren Speiseplan einbauen.
Wer reichlich Schwarzwurzeln ißt, der kann damit bis zu einem gewissen Grad verhindern,dass Umweltgifte wie zum Beispiel Blei vom Körper aufgenommen werden. Das ist wichtig für Menschen, die viel im Straßenverkehr zu tun haben.
Schwarzwurzeln vertreiben Müdigkeit, geben Vitaliät. Der weiße, milchige Saft in den Schwarzwurzeln wirkt sehr beruigend. Daher nennt man die Schwarzwurzel auch ein Anti-Stress-Gemüse. Vor allem als Abendessen bringen die Schwarzwurzeln Beruhigung und Entspannung sowie einen guten Schlaf.
Schwarzwurzeln fördern die Wundheilung. Das ist auf den Wirkstoff Allantoin zurückzuführen, der in der Naturmedizin heute auch in vielem Salben mitverarbeitet wird.
Sehr interessant ist auch, dass Schwarzwurzeln unsere Gehirnarbeit aktivieren, die Konzentration steigern. Ideal für Kinder, wenn sie besonders viel zu lernen haben. Und für ältere Menschen, die vergesslich werden. Daher hat man die Schwarzwurzel schon im Mittelalter als Jungbrunnen für reifere Jahrgänge bezeichnet.
Sind das Erfahrungswerte? Oder gibt es da medizinische Beobachtungen und Studien?
Prof. Bankhofer: Vor etwa 12 Jahren haben Ärzte an der Universität Paris in 20 Altenheimen eine Studie durchgeführt und jene Senioren beobachtet, die regelmäßig Schwarzwurzeln gegessen haben.
Sie waren nach einem Jahr jenen,die auf dieses Gemüse verzichtet haben, geistig und körperlich in ihrer Fitness weit voraus. Seither stehen Schwarzwurzeln in vielen Seniorenheimen im Winter ein bis zwei Mal auf den Speiseplan.
Was muss man beim Kaufen von Schwarzwurzeln beachten?
Prof. Bankhofer: Die Wurzeln sollten gleichmäßig dick sein. Dadurch vermeidet man einen unterschiedlichen Biß.
Sie schauen halt auch nicht so schön und attraktiv aus, wenn man sie kauft. Wie muss man sie denn bearbeiten?
Prof. Bankhofer: Die Wurzeln sind außen schwarz und voll mit Erde. Aber, wenn man sie zum Kochen hergerichtet hat, dann sehen sie sehr appetitlich weiß aus. Die Verarbeitung ist etwas mühsam.
Zuerst bürstet man die Wurzeln sauber. Dann werden die Blatt- und Wurzelansätze abgeschnitten und die Wurzeln mit einem Kartoffelmesser geschält. Man sollte unbedingt dabei Gummi-Handschuhe anziehen, weil die weiße, milchähnliche Substanz, welche die Wurzeln absondern, die Hände verfärbt.
Bleiben die Schwarzwurzeln auch so schön weiß?
Prof. Bankhofer: Ja,aber nur, wenn man sie in Essig- oder Zitronenwasser legt. Man kann die Schwarzwurzeln auch mit der Schale 25 bis 30 Minuten kochen. Dann lassen sie sich besonders gut schälen.
Werden Sie aber nicht überwiegend bereits geschält gekocht...?
Prof. Bankhofer: Ja, man gibt sie in kochendes Wasser und dann sind sie etwa in 20 Minuten fertig. Man kann sie dann mit verschiedenen anderen gedünsteten Gemüsesorten mischen.Oder man kann sie zu einem Schwarzwurzel-Salat verarbeiten.
Haben Sie noch ein spezielles Rezept, das Sie unseren Zuschauern ans Herz legen wollen?
Prof. Bankhofer: Besonders köstlich schmecken Schwarzwurzeln im Palatschinken-Teig. Man braucht dazu 500 Gramm Schwarzwurzeln: schälen in 5 cm lange Stücke schneiden und sofort in Essigwasser ( 4 EL Essig ) legen.
Darin in 20 Minuten weichkochen. In der Zwischenzeit 1 Ei, 120 Gramm Mehl, 1 Esslöffel Olivenöl, etwas Salz und Milch zu einem Palatschinkenteig verrühren.
Jetzt die Schwarzwurzelstücke gut abtropfen lassen, in den Palatschinkenteig tauchen und in einer Pfanne in erhitztem Öl auf beiden Seiten goldgelb backen. Dazu als Beilage Salat.
Sind Schwarzwurzel ein Gemüse, das auch der Diabetiker bedenkenlos essen kann?
Prof. Bankhofer: Schwarzwurzel sind das ideale Gemüse für Diabetiker. Sie sind reich am Kohlenhydrat Inulin, welches nicht verdaubar ist und daher den Blutzuckerspiegel nicht verändert und schnell satt macht. Daher wird die Bauchspeicheldrüse auch nicht überfordert.
Schwarzwurzeln als köstliche Speise und obendrein ein wertvoller Beitrag für die Gesundheit. Wir sollten überlegen, ob wir dieses Gemüse nicht doch öfters in unseren Speiseplan einbauen. Auch wenn man viel Arbeit damit hat. Und dazu wieder mein Rat: Probieren Sie es doch einfach einmal aus.
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