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Kaum eine Pflanze hat einen derartigen Siegeszug hingelegt wie die Aloe Vera. Sie hat nicht nur unsere Gärten und Fensterbänke erobert, sondern auch Reformhäuser, Supermärkte und Thermalbäder. Was vermag die "Wunderpflanze" wirklich? Prof. Bankhofer zu Gast im HR Fernsehen in der Sendung "Service Trends".

Die Aloe Vera ist von jeher wegen ihrer geheimnisvollen Schönheit, ihrer natürlichen Eleganz und ihrer legendären heilkräftigen Eigenschaft bekannt. In einigen Zivilisationen wurde die Aloe sogar regelrecht angebetet. Im alten Ägypten galt die Aloe als die Pflanze, deren Saft Schönheit, Gesundheit und Unvergänglichkeit verleiht. Für den Kaiser des antiken China symbolisierten die heilkräftigen hornigen Randstacheln der Aloeblätter die heiligen Nägel der Gottheit.
Bei den Indianern der Neuen Welt gehörte die Aloe zu den 16 heiligen Pflanzen, die auch dort wie Götter verehrt wurden. In Afrika nennen die Nomaden die Aloe noch heute die "Lilie der Wüste", bei den Amerikanern heißt sie "The silent Healer" - der stumme Heiler oder "Doktor Aloe", die Russen nennen sie "Lebenselixier". 

Ihre fleischigen Blätter fungieren als Wasserspeicher für die regenarmen Zeiten – so kann sie über Monate ohne einen einzigen Tropfen Wasser auskommen. Ihr Fruchtfleisch besteht aus einer durchsichtigen, gallertartigen Masse, in der all die gesunden Inhaltsstoffe stecken, für die sie so bekannt ist.
Am wohlsten fühlt sie sich in warmen Regionen, wie z. B. Afrika, Mittel- und Südamerika, im Süden der USA sowie im Mittelmeerraum. Dort blüht sie in nahezu jedem Vorgarten, wie bei uns z. B. Geranien oder Stiefmütterchen. Frisch gepflückt erfüllt sie dann als Heilpflanze die gleiche Funktion wie bei uns die heimischen Heilkräuter.

Welche Wirkstoffe stecken in der Aloe Vera?
Das Gel im Blatt der Aloe Vera besteht zu ca. 97 % aus Wasser, der Rest sind die begehrten Wirkstoffe, erläutert Ernährungswissenschaftlerin Birgit Junghans. Für die Heilwirkung indes sind nicht so sehr die Menge, sondern Vielfalt und Zusammenspiel der enthaltenen Substanzen entscheidend. Insgesamt verbergen sich mindestens 160 verschiedene Wirkstoffe - wie Vitamine, Mineralstoffe, Enzyme und sekundäre Pflanzenstoffe - in der Aloe Vera, mit erstaunlicher Wirkung. 

Der Hauptwirkstoff der Aloe Vera ist das Acemannan. Dabei handelt es sich um ein Zuckermolekül, das der menschliche Körper nur bis zur Pubertät bildet. Danach muss es mit der Nahrung aufgenommen werden. Acemannan lagert sich in den Zellwänden ein und stärkt die Abwehrkräfte jeder einzelnen Zelle. Außerdem werden die weißen Blutkörperchen und das Knochenmark durch diesen Hauptwirkstoff der Aloe Vera geschützt. Er aktiviert auch Fresszellen, Antikörper und sogar Killerzellen. 

Amerikanische Labors forschen derzeit, ob Acemannan sogar die Proteinhüllen von Krebszellen knacken kann. Studien zu Tumorerkrankungen ergaben, dass sowohl präventive als auch tumorwachstumshemmenden Wirkungen festgestellt werden konnten. 
(Quelle: Furukawa et al. 2002, Shamaan et al. 1998, Coris et al. 1998, Kuo et al. 2002, Wasserman et al. 2002) 

Außerdem finden sich im Gel der Aloe Vera allein 21 verschiedene Aminosäuren (Eiweißbausteine). Sie regenerieren z. B. den Zellaufbau und sind an wichtigen Stoffwechselprozessen beteiligt. Einige von ihnen sorgen für eine geregelte Verdauung oder zerstören Freie Radikale und schützen so vor vorzeitiger Hautalterung. 

Eine ganz wichtige Wirkung im Kampf gegen schädliche Bakterien und Viren spielen die in der Aloe Vera enthaltenen Lektine. Sie schützen das Immunsystem vor krankheitserregenden Angriffen. Aber Achtung: Lektine in großen Mengen können dazu führen, dass sich rote Blutkörperchen zusammenklumpen. 

Echte Schönheitselixiere sind die enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe, wie z. B. Vitamin E, C und B-Vitamine, die zusammen mit Chrom, Magnesium und Mangan für stabile Gesundheit und eine schöne Haut sorgen. 

Besonders wertvoll sind auch die enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe. Sie schützen ebenfalls vor vorzeitiger Hautalterung und wirken zudem entzündungs- und schmerzhemmend. So hilft die Aloe Vera als natürliche Medizin z. B. bei kleinen Schnittverletzungen und bei Sonnenbrand.

Wem das tägliche Schälen und Ernten der eigenen Aloe Vera Blätter zu viel Arbeit ist, kann auch Aloe Vera-Extrakt kaufen - als Saft oder als Gel. Solche Extrakte stammen von Aloe Veras, die eigens dafür in Plantagen, beispielsweise in Florida oder Südamerika, gezüchtet werden. Noch vor Ort werden die Blätter geerntet und weiterverarbeitet. Oft jedoch können diese Konzentrate mit dem frisch gepressten Gel nicht mithalten. Deshalb sollte man beim Kauf dieser nicht ganz billigen Produkte auf folgende Details achten: 
Die Konzentration der Aloe Vera sollte unbedingt angegeben sein. Bei guten Produkten liegt Sie bei 98 - 100 %.

Notwendige Zusatzstoffe sind Konservierungsmittel, die das Gel oder den Saft vor zu schnellem Verderben schützen. Es sollten jedoch natürliche Konservierungsstoffe sein (z. B. Ascorbinsäure/Vitamin C), denn künstliche Konservierungssstoffe können bei empfindlichen Menschen allergische Symptome auslösen oder sogar verstärken. Auf keinen Fall sollte der Saft oder das Gel zum Haltbarmachen erhitzt (pasteurisiert) worden sein. Dabei nämlich geht der größte Teil der Wirkstoffe verloren und Sie zahlen viel Geld für ein wertloses Produkt.

Die Farbe des Safts oder des Gels sollte durchsichtig oder weiß sein, auf gar keinen Fall aber grünlich. Ist das der Fall, wurde bei der Herstellung das funktionslose, ungeschälte Blatt verwendet, um mehr Masse zu produzieren. Und das wäre doppelter Betrug: Während das Blatt äußerlich angewandt nämlich überhaupt keine Heilwirkung hat, führt es bei innerer Anwendung möglicherweise sogar zu Magenreizungen.
Die Verpackung sollte lichtgeschützt sein. Zusätzlich Gel bzw. Saft im Kühlschrank aufbewahren. Denn das schützt auch vor Wirkstoffverlust. Maximal aufbewahrt werden kann angebrochener Saft ca. sieben Tage, Gel ca.
vier Wochen. Riechen die Produkte jedoch leicht säuerlich, sind sie verdorben und sollten auch nicht mehr verwendet werden.

Die Pressung der Blätter ist wichtig für hochwertige Qualität. Nur wenn der Hinweis „kaltgepresst“ auf der Verpackung steht, sind die Blätter zum Pressen nicht erhitzt worden. Durch das Erhitzen wird zwar schnell mehr Extrakt gewonnen, was dann auch günstiger angeboten werden kann, aber es gehen auch sehr viele Inhaltsstoffe verloren. Deshalb am besten – ähnlich wie bei Olivenöl – nur zu „kaltgepressten“ Produkten greifen.

Tipp: Besonders hochwertige Gels und Säfte erhalten Sie z. B. in Reformhäusern und Apotheken. Das Gel dient der äußeren Anwendung, der Saft kann zur inneren und äußeren Anwendung benutzt werden. (empfehlenswerter Saft z. B. "Hübner" Aloe Vera Pflanzensaft, 500 ml, Preis: ca. 15,95 Euro; erhältlich im Reformhaus 
empfehlenswertes Gel z. B. "Runika" Aloe Vera 100 % pur Gel, 50 ml, Preis: ca. 8,79 Euro, erhältlich in Apotheken oder "Pro Natures" Aloe Vera Gel, 100 ml, Preis: ca. 13,85 Euro, erhältlich in Apotheken)

Welche Produkte mit Aloe-Vera-Zusätzen sind empfehlenswert?
Deutlich günstiger sind Pflegeprodukte - wie z. B. Cremes oder Gesichtswasser - mit entsprechenden Aloe-Vera-Anteilen. Sie sollen Feuchtigkeit spenden – die Haut wirkt dann straffer, kleine Fältchen verschwinden. Achten Sie jedoch beim Kauf darauf, dass unter den Inhaltsstoffen die Aloe als „Aloe Vera“ angegeben ist und am besten an erster, zweiter oder dritter Stelle steht.
Dann liegt die Konzentration der Aloe Vera bei immerhin noch 50 – 30 %. Der Rest sind – je nach Produkt – pflegende oder reinigende Substanzen. Solche Cremes sind in Drogerien bereits ab ca. 3,50 Euro/ml erhältlich. Allerdings können Sie hier nicht sicher sein, ob die Blätter bei der Herstellung auch kaltgepresst wurden. Geringerer Preis heißt hier ganz deutlich: geringere Wirkstoffkonzentration. 

Lieber Finger weg heißt es in jedem Fall für Produkte, in denen ohne genauere Angaben nur mit der positiven Wirkungsweise der Aloe Vera geworben. Das gilt z. B. für Papiertaschentücher, Slipeinlagen oder Strumpfhosen.
Tatsächlich ist die Wirkstoffkonzentration in diesen Produkten, laut Dr. Jürgen Budde vom Chemischen Untersuchungslabor Dr. Budde in Darmstadt, so gering, dass sie so gut wie keinen Zusatznutzen bringen. Das Geld für solche Mogelpackungen können Sie sich also getrost sparen.

(Quelle: http://www.hr-online.de)



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